Ein rotzgrüner Fliesenspiegel, die Tapete darüber ebenso geschmacklos, ein verbeulter Metallspind, unbequeme Stapelpolsterstühle, eine Bank in Kunstleder-braun: die Psychiatrie, in der die fünf archetypischen Protagonisten in Christine Gnanns Inszenierung von Ingrid Lausunds Groteske »Konfetti« am Stuttgarter Theater tri-bühne eingesperrt sind, ist kein schöner Ort. Die Insassen dieses Irrenhauses, auch ›Welt‹‹ genannt, haben sich trotzdem in Schale geworfen…
Aki Tougiannidis spielt den Mann in Rot, der zu Beginn des Abends mit einem Aktenlocher in mühevoller Handarbeit Konfettischnipsel aus einem Papierbogen drückt. Natalja Maas, ganz in Schwarz, schlürft aus dem Strohhalm ihres pinkfarbenen Bechers irgendein Gesöff, sie kichert ständig, aber immer ohne Anlass, so wie sie es in der Lachtherapie gelernt hat. Silvia Maria Passera gibt die Dame in Weiß mit starker Meinung, Stefani Matkovic wechselt im Verlauf des Abends für eine Gala von ihrem grün-schwarzen Anzug zum lachsfarbenen, figurbetonten Albtraum, während Manuel Krstanovic ein türkisfarbenes Sakko zu blau-rot-karierten Hemd präsentiert. Trotz ihrer aussagekräftigen Kostüme sind die Figuren selbst keiner eindeutigen politischen Richtung zugeordnet. Ingrid Lausunds Text stammt aus dem Jahr 2003 und verhandelt in einer Zauber-Revue ganz überzeitlich das Verhältnis des Menschen zur Politik…
Manchmal findet die Autorin starke Situationen, um dem Publikum den Wahnsinn dieser Welt vor Augen zu führen. Manchmal treibt es Christine Gnanns Regie allzu kunterbunt und vor allem zu laut, mit viel Gebrüll und Megafon, aber das ist wiederum notwendig, weil man ja gar nicht alles verstehen soll, was die Figuren zu sagen haben. Zwischen Klamauk, Magie aus dem Kinderzauberkasten und einer lokalkolorierten Comedy-Szene mit Stuttgarter Polizisten, die ein Kuscheltier zum Killer aufpumpen, scheint die Kritik an der menschlichen Sensations- und Katastrophenlust auf, die keinen Platz lässt für ausgewogenes Denken und Handeln und so immer neue Missstände produziert. Oberflächlich betrachtet, ist das zwar lustig, aber irgendwie auch niederschmetternd.
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