Warum, warum?

von Géza Révay |
Regie: Edith Koerber
(inspiriert von Mark Twain)

Seit Deutschland ein Einwanderungsland geworden ist, büffeln Hunderttausende von Ausländern Deutsch. Aber das taten vor ihnen schon Millionen von Ausländern. Mark Twain wusste genau, wovon er sprach, als er sein Buch »The Awful German Language« nannte: »Die schreckliche deutsche Sprache«. Auch der Autor unseres von Mark Twain inspirierten Stückes, Géza Révay, weiß nur zu gut, wovon die Rede ist.

Aber es ist nicht nur ein zugegeben sehr komisches Drama der Sprache und des Sprachenlernens. Es ist auch ein Drama der Lernenden. Fünf Ausländer kämpfen sich tapfer unter der Leitung des Sprachlehrers durch das Dickicht der deutschen Sprache. Unweigerlich kommt es dabei zu Konflikten, erstens weil sie sich den vermaledeiten Lernstoff (siehe Mark Twain) unterschiedlich schnell aneignen, und zweitens aber, weil sie aus höchst unterschiedlichen sozialen Milieus stammen. Und das hat mit der speziellen und höchst erfolgreichen Methode des Kursleiters zu tun, der übrigens ein Russe ist.

Der einzige Deutsche in der Gruppe ist ein Spanier. Er ist Liedermacher und verwandelt das Unternehmen in eine musikalisch-poetische Angelegenheit. Warum er Deutsch lernt? Auf Wunsch seiner Mutter tut er das und weil er Geld verdienen muss. Aber er hat gute Gründe dafür, seine Muttersprache zu vergessen. Und warum Musik? Weil man mit Musik besser und leichter eine Fremdsprache erlernt. Jedenfalls nach Meinung des russischen Deutschlehrers.

Unter den fünf Kursteilnehmern hat ein einziger einen deutschen Namen: Hilde, abgekürzt aus Brünnhilde. Und sie kommt aus Namibia. Noch ein Afrikaner ist dabei, der von der Goldküste stammt und über Haiti und die Vereinigten Staaten nach Deutschland kam. Eine griechische Putzfrau mit hohen Zukunftsvorstellungen und eine italienische Managerin mit sehr materiellen Erwartungen ergänzen die Gruppe. Nicht jeder will unbedingt in Deutschland bleiben. Eine merkwürdige, komische, kreative und äußerst phantasievolle Gruppe …

Die Darsteller des Stückes haben ihre Wurzeln in Griechenland, Deutschland, Italien, Simbabwe, den Vereinigten Staaten, Russland und Spanien. Was das Erlernen der deutschen Sprache betrifft, können alle Mark Twain beipflichten, der der Meinung war: »Englisch lernt man in dreißig Stunden, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren.«

Kritiken

Ludwigsburger Kreiszeitung | 14.3.2018

Das ist sie, die Lebenswirklichkeit

Unter der Regie von Edith Koerber hat man die Rollen mit Darstellern mit ausländischen Wurzeln besetzt… Zitate von und aus deutschen Klassikern werden geübt, immer wieder kommen die Probleme der Schüler in ihrer Heimat und im fremden Land zur Sprache, persönliche Erlebnisse, exemplarisch hier in die Sprachübungen verpackt… Die Idee hat Charme, in solch einem Rahmen einmal das Spotlight auf alltägliche Einzelpersonen zu richten. […]

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Arnim Bauer
Stuttgarter Nachrichten | 11.3.2018

Viel Brisantes kommt hier zur Sprache

Wie und wo lernt man am besten Deutsch? In der neuen Produktion des Theaters Tri-Bühne lädt ein russischer Lehrer fünf Migrantenkollegen zur pädagogischen Performance: »Warum, warum?« von Géza Révay… […]

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Julia Lutzeyer