Die Braut von Messina

von Friedrich Schiller |
Regie: Edith Koerber

Messina befindet sich im Bürgerkrieg. Die unversöhnliche Rivalität der Fürstensöhne Manuel und Cesar hat auch die Stadt entzweit. Des Kampfes müde erzwingen die Bürger der Stadt von der Fürstin die Versöhnung der Brüder. Was umso leichter fällt, da die beiden frisch verliebt sind. Doch als sich herausstellt, dass die Liebe von Manuel und Cesar dem gleichen Mädchen gilt und zudem eine dunkle Familiengeschichte aufgedeckt wird, wird’s hochdramatisch…

Meistzitiert und seltenst gespielt – »Die Braut von Messina« steckt voller Superlative. Wir packen noch eins drauf: heftigst gekürzt und doch nicht entstellt. Unsere Fassung dauert ca. 90 Minuten.

»Die Braut von Messina« oder »Die Feindlichen Brüder, ein Trauerspiel mit Chören«, wurde am 19. März 1803 in Weimar uraufgeführt.

Premiere am 28. September 2005.

Kritiken

Stuttgarter Zeitung | 30.9.2005

Atemloser, packender Theaterabend

»Edith Koerber hat in der tri-bühne ›Die Braut von Messina‹ inszeniert. Schon wieder Schiller, könnte man sagen, ist’s denn immer noch nicht genug? Kaum ein Beitrag zum Schillerjahr hat bisher überzeugt, Edith Koerber dagegen schafft es, den Pflichtstoff in einem atemlosen, packenden Theaterabend zu präsentieren. Kurz und knackig, forsch, zielstrebig und intensiv geht hier das Stück über die Bühne. Schiller muss also doch nicht langweilig, nicht langatmig sein…

Géza Révay hat eine hervorragende Textfassung erarbeitet, die die Konflikte pointiert: Bruderzwist und verbotene Liebe, denn Manuel und Cesar haben sich beide in Beatrice verliebt. Noch wissen sie nicht, dass sie ihre Schwester ist – die Nähe zum ›Ödipus‹ von Sophokles ist nicht zu übersehen.

Schicksal, Schuld, Strafe, Inzest und Familienmord sind die Themen, auch formal hat sich Schiller deutlich an der antiken Tragödie orientiert. Révay nimmt dem Trauerspiel die allzu stolze Größe, ohne zu banalisieren. Der Chor, der ›die Lehren der Weisheit‹ verkünden sollte, so Schiller, ist auf zwei Soldaten reduziert. Abgeklärt und kühl verfolgen sie die Ereignisse, kommentieren und steuern sorgfältig ausgewählte Sentenzen bei…

Koerbers Inszenierung findet das perfekte Maß: nüchtern, aber einfühlsam, zeitlos, aber nicht altmodisch. Das Tempo stimmt, und auch wenn sich früh die Katastrophe abzeichnet, kann Koerber die Spannung halten…«

Adrienne Braun
Esslinger Zeitung | 8.10.2005

Große Klasse

»Zeitgenössisch forsch ist man im Stuttgarter Theater tri-bühne mit den Schillerschen Ideen umgegangen. Nicht nur was die schön-schlichten Kostüme von Maurizio Vanzella und die wenigen Requisiten (zwei Gewehre, eine Schaukel, Rosenblätter und drei Kissen) betrifft: Was vorher zwei gegnerische Halbchöre Zuschauern und Darstellern zuraunen sollten, ist in Edith Koerbers Inszenierung auf zwei Figuren verdichtet. Cornelius Nieden und Folkert Milster werfen sich als süffisant kommentierendes und manipulierendes Soldatenpärchen (der erste als Getreuer Don Manuels, der zweite Don Cesar beigeordnet) nicht nur tiefe Wahrheiten um die Ohren, sondern ballern sich auf Stephen Cranes Laufsteg-Bühne Verbalgeschosse um die Ohren wie Tennisbälle…

Wie Dorothea Baltzer als Donna Isabella mit verhaltenem Furor die schweren Jamben spricht, das hat große Klasse. Ihr nimmt man Wut und Verzweiflung in jedem Moment ab. Genauso wie die ausgelassene Freude auf der überdimensionalen Schaukel, kurz bevor sie vom Schicksal verschaukelt wird.«

Inge Bäuerle
Stuttgarter Nachrichten | 30.9.2005

Kraftvoll

»tri-bühne-Intendantin Edith Koerber hat in ihrem Haus eine Kurzversion inszeniert. Dabei reduziert sie die Schillerschen Chöre auf zwei Soldaten (Folkert Milster und Cornelius Nieden) – eine Konzentration, die funktioniert. Sie verzichtet fast gänzlich auf Requisiten, kommt mit einer Schaukel, zwei Maschinengewehren und roten Rosenblütenblättern aus…

Auf einer seitwärts befindlichen höhlenartigen Rampe erscheint die Mutter der Brüder, Donna Isabella (Dorothea Baltzer) im wehenden Umhang. Sie öffnet sich den strengen Tragödienversen mit vollem Risiko. Der Balanceakt gelingt – sie verkörpert das heutzutage oft unerträglich scheinende Pathos auf erträgliche Weise, schleudert mit ihrer klaren Stimme die in Jamben gepackte Emotion kraftvoll heraus.

Karoline Barschs Beatrice hat intensive Momente, die sie in ihrem liebesschwärmerischen Auftritt, ja Auftanz im gelb-weißen Brautkleid offenbart; eine ahnend am Abgrund irrende Frühlingsgestalt… Fein, in Momenten sogar brillant, wirkt Cornelius Nieden in der Nebenrolle des Soldaten Don Manuels. Seine Schauspielkunst ist ganz verborgen in der Figur, die er lebt – große Klasse.«

Matthias C. Müller