Nach mir die Sintflut

von Lluïsa Cunillé |
Regie: Alejandro Quintana

Das Stück ist eine hochpoetische theatrale Reflexion der katalanischen Dramatikerin Lluïsa Cunillé über die komplizierten Verflechtungen zwischen Europa und Afrika – zu dessen gewaltigem Nachteil. »Nach mir die Sintflut« waren die Worte von Joseph-Désiré Mobutu, des Herrschers über das damalige Zaire, als er 1997, nach über 30 Jahren Diktatur unter der Protektion der Vereinigten Staaten und Frankreichs, schlussendlich ins Exil gehen musste.

Zum Inhalt: Eine Frau in Kinshasa, der Hauptstadt der heutigen Demokratischen Republik Kongo. »Nach mir die Sintflut« waren die Worte ihres Ehemannes, als er sie verließ. Jetzt ist sie mit einem europäischen Geschäftsmann in dessen Hotelzimmer. Er macht Witze. Sie lacht. Er gibt ihr Geld. Sie übersetzt, denn ein alter, todkranker Mann, ein Einheimischer, will unbedingt mit dem Geschäftsmann reden. Er will, dass dieser sich seines Sohnes annimmt, ihn nach Europa vermittelt, als Fußballer, Leibwächter oder Diener – als was auch immer. Der Sohn wird mehr und mehr zum Sinnbild der afrikanischen Misere: Es geht um den Wert eines Menschenlebens, um die Verwandlung afrikanischer Ressourcen in europäischen Wohlstand und den Traum vom gelobten Land…

Kritiken

Ludwigsburger Kreiszeitung | 12.5.2017

Ein Meisterwerk

Ein Stück, wie geschaffen für dieses Theater, das gerne Stellung bezieht, ohne dabei auf den künstlerischen Anspruch zu verzichten. Und dieses Stück ist ein Meisterwerk. […]

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Arnim Bauer
Esslinger Zeitung | 11.5.2017

Hochaktuell

Angesichts der Armutsemigration aus afrikanischen Ländern hätte sich Regisseur Alejandro Quintana für seine Inszenierung in Renáta Baloghs stark reduziertem Bühnenbild kaum ein aktuelleres Thema aussuchen können…

Maria Krell
Stuttgarter Zeitung | 11.5.2017

Poetischer Thriller

Alejandro Quintana hat das Kammerspiel an der tri-bühne als poetischen Thriller inszeniert, in dem afrikanische Hitze flirrt und europäische Unterkühltheit lähmt…

Welchen Wert hat ein afrikanisches Menschenleben für europäische Unternehmen? Was bekommt der ausgebeutete Kontinent für Gold, Diamanten, Coltan? Cunillé stellt globale Zusammenhänge her, beleuchtet die Folgen verweigerter Verantwortung und die Ursachen für das Wandern der halben Weltbevölkerung nach Europa. ›Nach mir die Sintflut‹ wirkt über den gesamtkünstlerisch beeindruckenden Premierenabend hinaus. Es ist eben doch nicht alles egal.

Brigitte Jähnigen