Krach im Hause Gott

Krach im Hause Gott (1994)

von Felix Mitterer |
Regie: Edith Koerber

Die Fiktion eines philosophischen Disputs zwischen höchsten Wesen, dem Lieben Gott und seinem anderen Ich, dem gefallenen Engel und nunmehrigen höllischen Herrscher der Finsternis, Luzifer, hat die Dichter immer wieder fasziniert. Felix Mitterer erweitert das Personal erheblich: Statt einem einzigen Gott steht dem smart-eloquenten Teufel die versammelte Dreieinigkeit der himmlischen Chefetage gegenüber. Das schafft Spielraum für recht weltliche Vater-Sohn-Konflikte, kleinliche Eifersüchteleien und fiese Sticheleien.

Der Grund für dieses recht ungewöhnliche Familientreffen: Gott ist der Menschheit nun endgültig überdrüssig geworden, das Jüngste Gericht hat begonnen. Der gallige Seniorchef und der beflissene Heilige Geist als sein subalterner Ratgeber plädieren vehement dafür, das Experiment Mensch als gescheitert zu betrachten und dieser dubiosen Spezies endgültig den Garaus zu machen. Christus, ausgestattet mit unendlich viel Güte und ewig blutenden Handwunden, und Satan, jovial und ganz up to date mit Handy, bilden eine kuriose Allianz der Verteidigung.

Das Schicksal der ahnungslosen irdischen Gesellschaft hängt an einem seidenen Faden, der zu reißen droht – bis Maria dazukommt und mit viel gescheitem Witz und Charme die überkommenen patriarchalen Machtstrukturen entlarvt. Damit löst sie bei den Herren eine so große Verwirrung und Ratlosigkeit aus, daß das Ende der Menschheit auf einen späteren Zeitpunkt vertagt werden muß.

Deutsche Erstaufführung am Freitag, dem 16. Dezember 1994.
Die Aufführungsrechte liegen bei: Vertriebsstelle und Verlag deutscher Bühnenschriftsteller und Bühnenkomponisten GmbH.

Kritiken

Lift | 1.2.1995

Göttliche Komödie

»Die inszenierende Intendantin Edith Koerber hat an diesem Stück wieder einmal ganze Arbeit geleistet und mit souveräner Selbstverständlichkeit alle witzigen Momente herausgekitzelt. Csörsz Khell hat sich für die Bühne allerhand himmlische Tricks und Überraschungen einfallen lassen. Man darf davon ausgehen, daß wohl bald – wie bei den meisten Aufführung der tri-bühne – auch für diese göttliche Komödie keine Karten mehr zu bekommen sein werden.«

Hartmut Zeeb
Stuttgarter Nachrichten | 19.12.1994

Ein Witz mit Amen

»Die Schauspieler sind genau auf den Rollenpunkt gebracht und erfüllen die Klischees dieser Himmelskonferenz prächtig: Stephan Korves als introvertierter, grantelnder Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Menschheit, Wilhelm Schneck als weichlich-süßer Menschensohn, der die Dornenkrone frustriert zurückgibt, der schleimige Heilige Geist des Cornelius Dane, der treffliche Teufel des Achim Grauer und Christina Dom als Mädchen für alle und alles…

Mit Edith Koerbers Inszenierung hat die tri-bühne nun ein Stück im Programm, das dem kräftig amüsierten Premierenpublikum viel Applaus wert war.

Wem im Himmel die Sympathien des Autors Mitterer gehören, ist im Hause Gott nicht zu erkennen. Edith Koerber und ihrem Ensemble aber müssen sie zufallen. Denn diese Bibelstunde… hat Pfiff. Ein Witz mit Amen.«

Klaus B. Harms
Stuttgarter Zeitung | 19.12.1994

Unterhaltsames Problemstück

»Edith Koerber setzt bei ihrer Inszenierung… aufs Komödiantische, ohne die Darsteller zu grellem Chargieren zu pressen. Sie verzichtet auf Mätzchen, nimmt den Text ernst und holt aus ihm heraus, was bei der Vermenschlichung von Vater, Sohn und Heiligem Geist durch forcierte Inadäquatheit zum Lachen reizt. Gott (Stephan Korves) ist ein miesepetriger Aufsichtsratsvorsitzender, der Heilige Geist (Cornelius Dane) sein subalterner Berater, Jesus (Wilhelm Schneck) ein verraunzter Langweiler, und Satan (Achim Grauer) fliegt als Wiener-Vorstadt-Dandy im gestreiften Anzug mit dem Hubschrauber ein: was die Millionen des Herrn Deyhle können, schafft man unterm Tagblatt-Turm noch allemal. Zu dem Männerquartett gesellt sich in mehreren – wie sie, die Bühnenillusion durchbrechend, klagt: viel zu kurzen – Rollen Christina Dom.

Nach anderthalb Stunden ohne Pause heftiger Premierenapplaus für das Ensemble, die Regie und den angereisten Autor. Die Inszenierung hat das Zeug zu einem anhaltenden Publikumserfolg. Ein unterhaltsames Problemstück: hier ist’s kein Widerspruch.«

Thomas Rothschild
Cannstatter Zeitung | 19.12.1994

Gehörige Portion Witz

»Um Gott und die Welt dreht es sich in Edith Koerbers neuester Inszenierung. Mit Fragen, Zweifeln und einer gehörigen Portion Witz geht die Intendantin der tri-bühne an die Wurzeln der christlichen Glaubenslehre: Was beziehungsweise wer war vor Gott? Und: Ist Gott nicht in Wahrheit weiblich? sind da nur zwei von vielen unbequemen Fragen, die sie mit der deutschen Erstaufführung ›Krach im Hause Gott‹ stellt…

Ironisch und mit feinem Fingerspitzengefühl hinterfragt jeder einzelne der vier männlichen Schauspieler seine Rolle und erzählt zusätzlich noch Geschichten, die das Leben schreibt: Präzise Beobachtungen von einflußreichen Zeitgenossen, die tatsächlich an den Unsinn glauben, den sie von sich geben. Die vor lauter Langeweile und vermeintlicher Abgeklärtheit schon lange nicht mehr wissen, was ›die Kleinen dort unten‹ wohl bewegen mag. Die im Handstreich über Menschenleben entscheiden und so Politik machen.

Eine Kaste wird entlarvt. Und das ist, abgesehen von den nur angetippten, grundsätzlichen Überlegungen zum heutigen Stellenwert des Christentums, ein großer Gewinn, den der Zuschauer nach einem amüsanten Abend mit nach Hause nehmen kann.«

Helga Stöhr-Strauch
Süddeutscher Rundfunk | 19.12.1994

Irdischer Spaß

»… daß die tri-bühne mit dieser hübschen Inszenierung einen vergnüglichen und sehr beklatschten Theaterabend angeboten hat, das kann weder Gott noch Teufel bezweifeln. So bleibt vom Krach im Hause Gott… ein irdischer Spaß.«

Winfried Roesner