2066 - Kurzer Prozess

Schauspiel für zwei Darsteller und ein Publikum im Jahr 2066
von David Desideri |
Regie: Stephan Raab

»Achtung! Die Oberste Autorität hält die Teleportierung des Angeklagten in einer Minute und 23 Sekunden für opportun. Bitte machen Sie sich bereit. Der Zeittunnelgenerator startet den Betrieb in 10 Sekunden, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1, Start.«

Leonidas Maxdorf, Chef des Konzerns »Panworld Oil Company« wird mit diesen Worten aus dem Jahr 2016 ins Jahr 2066 geholt. Er gilt auf Grund seiner ökonomischen Aktivitäten und deren ökologischen Folgen als einer der Hauptverursacher des Klimawandels. Die zukünftige Generation macht ihm nun den Prozess.

Dieses rasante Science-Fiction-Gerichtsspiel in Echtzeit behandelt auf lustvoll argumentative Weise die Folgen des Klimawandels, die Verantwortlichkeit von Entscheidungsträgern und die Macht verschiedener politischer Systeme.

Der Clou: Die Zuschauer betrachten nicht nur passiv die Gegenwart im Brennspiegel der Zukunft, sie können auch aktiv mitdenken, intervenieren und den Ausgang des Stücks beeinflussen.

Eine Koproduktion zwischen Boris & Konsorten und dem Theater tri-bühne.

Kritiken

Ludwigsburger Kreiszeitung | 16.10.2016

Ansehnliches Theater

»Leonidas Maxdorf ist ein oberster Manager eines Ölmultis. Aus dem Jahr 2016 hat ihn eine zukünftige Generation ins Jahr 2066 ›teleformiert‹ – für 75 Minuten steht er dort vor Gericht, um sich für den Klimawandel zu rechtfertigen. Für den weist man ihm und anderen Managern eine massive Schuld zu.

›2066 – kurzer Prozess‹ nennt David Desideri sein fiktives Stück, das in der tri-bühne unter der Regie von Stephan Raab uraufgeführt wurde. In dieser Zukunft genügt schon ein Blick nach draußen, um das ganze Ausmaß der Klimakatastrophe zu erkennen, das hier die Menschheit bedroht. Auch der Ölmanager sieht es und ist zumindest beeindruckt. Er soll sich verteidigen, vor dem Kommissar der Regierung der Vereinigten Staaten von Europa, vor der ›Obersten Autorität‹, einer künstlichen Intelligenz, und vor den Schöffen…

Stephan Raab ist es gelungen, ein durchaus ansehnliches Theater zu zeigen. Alexej Boris als Maxdorf ist eine höchst glaubwürdige, plastische Managerfigur, Ulrike Möller spricht die aus dem Off agierende Oberste Autorität sehr gut und obwohl nur eine Trage als Zeitmaschine das Bühnenmobiliar bildet, bringt Raab sehr viel Bewegung ins Spiel. Am Ende wird dann der geläuterte Bösewicht in seine Zeit zurückgeschickt, mit dem Auftrag, für den Wandel in Klimafragen zu werben. Alles wird gut?«

Arnim Bauer
Stuttgarter Zeitung | 16.10.2016

85 pralle Theaterminuten

Eine starke Illusionsleistung der Darsteller… […]

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Ulla Hanselmann