Niemandskinder (Os Meninos de Ninguém) (Gastspiel)

Teatro Avenida, Maputo (Mozambik)

von Henning Mankell, Mia Couto, Manuela Soeiro und Ensemble Mutumbela Gogo
In portugiesischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Regie Henning Mankell | Manuela Soeiro
Bühne Samuel Nhamatate
Kostüme Manuela Soeiro
Musik Simão Nhancule
Darsteller Adelino Branquinho | Flávio Mabota | Samuel Nhamatate | Graça Silva | Jorge Vaz
Dauer 1 Stunde 10 Minuten

Das Thema mag bitterernst sein, die künstlerische Umsetzung ist nicht. Wer die Inszenierungen des Teatro Avenida und dessen Ensembles Mutumbela Gogo schon gesehen hat, der weiß, dass Musik, Tanz und Komödiantik immer auch viel Lebensfreude und Überlebenswillen transportieren. Dies gilt gerade auch für „Niemandskinder“, das schon überall auf der Welt gezeigt worden ist und exemplarisch für die Zusammenarbeit zwischen Henning Mankell und dem Ensemble steht:

In den Jahren des mosambikanischen Bürgerkriegs und der brutalen, entwurzelnden Zerstörung der sozialen Strukturen sowie der schier endlosen Flüchtlingstrecks, gab es immer mehr Straßenkinder in den großen Städten Mosambiks. Gerade auch in der Nachbarschaft des Teatro Avenida, im Zentrum von Maputo. Zusammen mit diesen Kindern entwickelten Henning Mankell, Mia Couto (einem der führenden Literaten des portugiesischen Sprachraums) und Manuela Soeiro (die Leiterin des Teatro Avenida) das Stück über die Kraft, die Würde und die harten Lebensumstände der kleinen Überlebenskünstler.

Henning Mankell: „In dem Viertel rund um das Theater [Teatro Avenida] lebten viele Straßenkinder, und darum entwickelten wir vor zirka zwanzig Jahren [1993] ein Theaterstück für sie. Es gibt Redewendungen in diesem Stück, die in die Alltagssprache eingegangen sind. Gerade in diesen Tagen, zwanzig Jahre später, reden wir über eine neue Version des gleichen Themas. Darüber, was aus den Straßenkindern geworden ist. Mir ist bewusst, dass vielleicht schon fast alle tot sind. Ein Risiko, gewiss, aber dann muss das Stück eben davon handeln. Und vielleicht lebt doch noch dieser oder jener. Durchaus eine realistische Prognose.
Das Stück über die Straßenkinder war auch insofern wichtig, als wir nicht nur eine tragische Geschichte erzählt haben. Wir berichteten auch von dem phantastischen Überlebenswillen und von der Kraft dieser kleinen Kinder, die auf der Straße hausen wie Ratten. Ich weiß, dass die Aufführung bei vielen Zuschauern zu einem Aha-Erlebnis geführt hat. Ich denke noch oft daran. Das Stück war für Erwachsene gedacht, und ich habe den Schauspielern eingeschärft: ‚Was ihr auch macht, spielt nicht Kinder! Seid einfach Menschen! Menschen in einer extremen Lage.’“
(Aus: Kirsten Jacobsen, „Mankell über Mankell“, Wien 2013)