Minutennovellen

von István Örkény
In deutscher Sprache
Rezitation Edith Koerber | Pál Mácsai
Dauer 1 Stunde 15 Minuten

Der ungarische Schriftsteller István Örkény (1912-1979) hat eine literarische Form erfunden: die Mininovelle, deren Lektüre nicht mehr als eine Minute beansprucht und deren Titel unmißverständlich sein muss wie die Nummer einer Straßenbahn. Er schrieb sie „während der wenigen freien Stunden, die er der Geschichte abtrotzen konnte” - einer Geschichte, die ihm vor allem Verfolgung, Krieg, Gefangenschaft und den unberechenbaren Alltag in einer repressiven Gesellschaft zugedacht hatte.

Da liest man z.B. von einer Tulpe, die sich vom Fensterbrett stürzt, weil sie keine Tulpe mehr sein will; oder von der Pförtnerin eines Unternehmens, die zwanzig Jahre lang dieselbe Auskunft gibt, bis sie eines Tages einen unerhörten Satz spricht und für Sekunden ein Loch in die Welt schlägt.

Die Minutennovellen, deren Humor, Rätselhaftigkeit und philosophischer Gehalt an Kafka erinnern, gehören längst zu den Klassikern der osteuropäischen Moderne.

Pál Mácsai (Schauspieler, Regisseur und Leiter des István Örkény Theater Budapest) und Edith Koerber (Schauspielerin, Regisseurin und Leiterin des Theater tri-bühne Stuttgart) lesen eine Auswahl der berühmten Texte, die in der frischen Übersetzung von Terézia Mora vorliegen.

Cathrin Zellmer (Querflöte) und Sebastian Huber (Piano) setzen zur Lesung die musikalischen Akzente.