
Johanna (Gastspiel)
Wir „schillern” auch nach dem Schillerjahr und zeigen eine fantastische Schilleradaption der Berliner Regisseurin Anja Gronau, die aus der monumentalen „Jungfrau von Orléans” die pure Essenz destilliert.
In „Johanna” wird der Mythos eines Menschen untersucht, der sich einer Idee verpflichtet und sich gegen alle Widerstände bis zum Tod für diese einsetzt. Dabei bietet Schillers Johanna nur die Plattform, von der aus sich die heutige, gegenwärtige Johanna abstößt.
Wie kann man in einer von Privatismus und Gleichgültigkeit gekennzeichneten Zeit ein Ideal ausrufen und dazu stehen, auch wenn man von den Alten belächelt wird und die Realitäten unverrückbar scheinen?
Kann der Glaube die Kraft sein, Ohnmacht zu überwinden?
„Ein wilder, erfrischender Abend… Nicht die legendäre Jeanne wird ins Kinderzimmer verfrachtet. Vielmehr spielt die ausdrucksstarke Claudia Wiedemer ein trotziges Kind, das sich mit der Erwachsenenwelt partout nicht anzufreunden vermag und sich erst ironisch der Heldin des Mittelalters annähert, um sich sukzessive in ihr Alter Ego sowie alle Gegenspieler zu verwandeln… Von idealistischer Wut angesteckt, finden die Regisseurin und ihre Schauspielerin gewitzte und eindrucksvolle Bilder.” (Neues Deutschland, 2003)
„Der Regisseurin Anja Gronau gelingt es, aus Friedrich Schillers „Jungfrau von Orleans” einen fesselnden Monolog zu destillieren. Mit wenigen Requisiten lässt sie einen großen Raum lebendig bespielen. „Johanna” als politisches Pubertätsdrama, das die Zeitebenen locker verwirbelt - diese Produktion des Theaters unterm Dach aus Berlin war ein Höhepunkt der IMPULSE 2004.” (Die Deutsche Bühne, 2004)
„‚Johanna’ spinnt den Mythos der Jeanne d’Arc mit wunderbarer Symbolik im Kopf eines ungestümen Kindes fort. Dass diese turbulente Welt in einem gänzlich kahlen Raum Gestalt annimmt, ist der grandiosen Leistung von Claudia Wiedemer zu verdanken. Sie versteht es auf imponierende Weise zwischen kindlicher Naivität und aufrührerischer Ekstase zu changieren.” (Berliner Morgenpost, 2003)
„Mit dieser neuen Johanna hat Regisseurin Anja Gronau ein rührendes Bild von sich selbst überwindender Tapferkeit und menschlicher Wärme geschaffen.” (Kölner Stadtanzeiger, 2004)
„Die Geschichte der Jungfrau von Orléans erzählt Regisseurin Anja Gronau als Pubertätsgeschichte, die im Kinderzimmer beginnt. Der Krieg zwischen England und Frankreich ist eine akustische Schlacht von Plattenspieler und Kassettenrekorder, eine Nähmaschine ist das schwerste Geschütz. Hinter dem Witz lauert Schrecken, weil die eingesprungene Katrin Hylla auch die seltsamen Seiten des rasenden Mädchens mit energiegeladener Aufrichtigkeit spielt. Aus einer Bettdecke und einer Tüte bastelt sie mit wenigen Handgriffen den französischen Dauphin, lässt ihn sein Volk, das Publikum, beschauen, und attackiert die Coolness, den Mangel an Glauben und Visionen.” (Frankfurter Rundschau, 2004)

