Eine Stadt wird verhört

von David Hare
Übersetzung Dagobert Lindlau
Bühne Stephen Crane
Dauer 2 Stunden 15 Minuten (mit Pause)

Curly, ein junger Mann, kommt in eine Bar in einer wohlhabenden Stadt, um das spurlose Verschwinden seiner Schwester Sarah zu untersuchen. Der klassische Beginn eines Krimis.

Doch Curly ist nicht der coole Privatdetektiv, der moralische Leuchtturm in einer verrohten Welt. Mit einem Vater, der an der Spitze der Finanznahrungskette steht, wurde Curly hineingeboren in die gnadenlose Welt der Hochfinanz. Dies hat ihn geprägt in einer Weise, die im direkten Gegensatz zum unbedingten Idealismus seiner Schwester steht. Dieser Idealismus ist es, der ihr in der reichen Stadt eine Menge Feinde gemacht hat.

Curlys Ermittlungen führen ihn schließlich in die eigene Familie, zu seinem Vater und ewigem Widersacher. Dieser ist einer der stillen Herrscher der Stadt, ein mächtiger Profiteur des Spekulationssystems. Und er ist der wahre Grund für das Verschwinden von Sarah…

David Hare zeigt allumfassende Korruption, die legalisierte Gewalt des Parketts, kurz „den Kapitalismus in seinem ganzen Zauber und seinem Witz.”, so der Autor ironisch.

Man könnte auch, mit Bertolt Brecht, zusammenfassend sagen: „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?”