Fräulein Julie

von August Strindberg |
Regie: Christine Gnann

Es hätte alles so märchenhaft romantisch sein können: Die helle, warme Mittsommernacht, Ausgelassenheit, ein gräfliches Anwesen auf dem Lande, Klassen überwindende Harmonie…

Doch August Strindberg schaut auf die realen Bedingungen und so verfolgen die Zuschauer, wie eine erotische Episode zwischen der Grafentochter Julie und dem Hausdiener Jean auf direktem Weg zu einem Krieg zwischen Klassen, Geschlechtern und Moralvorstellungen führt. Urgewaltig und zerstörerisch zugleich sind dabei die inneren Kräfte der handelnden Figuren. Verblüffend ihre Vielschichtig- und Widersprüchlichkeiten, die sich im Laufe des Stückes offenbaren…

August Strindberg: »Ich habe nicht versucht etwas Neues zu bringen – denn das kann man nicht – sondern nur die Form gemäß den Forderungen zu modernisieren, welche, nach meiner Meinung, die neuen Menschen unserer Zeit an diese Kunst stellen sollten. Und zu diesem Zwecke habe ich gewählt oder mich ergreifen lassen von einem Motiv, von welchem man sagen kann, es liegt außerhalb der Parteikämpfe des Tages, da ja das Problem vom sozialen Steigen oder Fallen, von Höherem und Niedrigerem, Besserem oder Schlechterem, Mann oder Weib, von bleibendem Interesse ist, gewesen ist und sein wird.«

Kritiken

Ludwigsburger Kreiszeitung | 27.2.2014

Die jungen Wilden

»Ist da etwas ins Wasser gefallen? Ist jemand baden gegangen? Steht jemand das Wasser bis zum Hals? Jedenfalls zeigt das Bühnenbild von Judith Philipp ein Kinderplanschbecken, etwas schief und versifft… Darin stehen die drei Figuren, die Strindbergs Klassen- und Gesellschaftsliebestragödie ›Fräulein Julie‹ prägen: Jean, der Diener des Grafen (Severin Gmünder), seine Verlobte, die Köchin Kristin (Natascha Kuch) und Julie, die Tochter des Grafen (Sofie Alice Müller).

Fein herausgeputzt und gut behütet waten und spielen die Drei das Stück…, das getragen ist von adeligen Herrschaftsverhältnissen. Insofern ist es auch etwas angestaubt. Diesen Staub pustet Regisseurin Christine Gnann locker weg, durch das Bühnenbild, aber vor allem auch mit ihren sehr jungen Darstellern, die sich in die Rollen hineinknien…, zwar texttreu, aber doch sehr distanziert zu dessen Ursprungsideen agieren und die sich die Seele aus dem Leib spielen.

Diese jugendliche Begeisterung trägt die Inszenierung und so manchem mag der Begriff der jungen Wilden einfallen, vor wenigen Jahren noch Markenzeichen des örtlichen Fußballvereins VfB, der mit einer vornehmlich jugendlichen Rasselbande die Fußballwelt eroberte. Drunten in Cannstatt träumt man ob der Misere wieder von den jungen Wilden, die aber haben sich offensichtlich längst im Theater, in der tri-bühne, eingefunden, wo Intendantin Edith Koerber auf ein junges Ensemble setzt.

Und die drei hier tätigen Vertreter fegen tatsächlich alle Widerstände hinweg, begeistern einfach mit ihrem Willen, dieses Stück, das durchaus auch seine sperrigen Elemente hat, auf ihre Art zu zeigen…«

Arnim Bauer