Kritiken
Kabale und Liebe
von Friedrich Schiller | Regie: Edith Koerber
Modern
„Bei ihrer Inszenierung wagte Edith Koerber, was Klassiker-Inszenierungen in unseren Tagen allgemein gut täte: Ohne Krampf und überflüssige Purzelbäume die gültige, zeitlose Problematik des Werks in seinem ursprünglichen Milieu und Gehalt zu interpretieren, ohne den historischen Hintergrund zu leugnen oder ihn gewaltsam zu retuschieren. Mit den Mitteln und technischen Möglichkeiten unserer Zeit, und damit modern.”
Spannend
„Die infamen Ränkespiele, die Schiller quälend zuspitzt, sind spannend. Koerber inszeniert mit ruhiger Hand. Die Sprache kann ihren schönen Klang entfalten, und die Figuren sind deutlich charakterisiert. Cornelius Nieden als Miller ist ebenso bestechend wie Marcus Michalski, der den hitzigen Ferdinand spielt. Luise (Anuschka Herbst) ist hier ein schlaksiges Mädchen, das gewitzter ist, als es die artigen Zöpfe vermuten lassen…”
Lebendig
„Die Sprache hat in Schillers Sturm-und-Drang-Drama eine wesentliche Funktion für die Charakterisierung der Figuren und ihrer sozialen Stellung, und hier gelingt Edith Koerbers Inszenierung in der Stuttgarter Tri-Bühne Beachtliches. Dramaturgisch geschickt auf knapp zwei Stunden Spielzeit gekürzt enthält der Text noch genug an prägnanten, die Personen in ihrem Denken, Fühlen und Handeln plastisch darstellenden Sprachgebärden und lässt genügend Spielraum für Pausen und sinnvolles szenisches Timing… Der tri-bühne ist mit ‚Kabale und Liebe’ eine lebendige Aufführung gelungen.”
Klasseleistung
„Die Inszenierung an der ‚tri-bühne’ ist bemerkenswert vital, durchaus ansprechend, erreicht den Zuschauer. Da spürt man das Aufbegehren des Autors gegen die zügellose Macht, da fallen durchaus leise Parallelen zu heutigen Begebenheiten ein.
Koerber erreicht das vor allem dadurch, dass sie den Figuren sehr viel Leben einhaucht, dass sie heutig sind in ihren Lebensäußerungen…
Und so bleibt es bei weitem nicht beim oft gesehenen Romeo-und-Julia-Verschnitt, sondern es wird eine beinharte Story um den Missbrauch der Macht, um Herrscher, die ihre Untertanen in den Krieg schicken und leise, ganz leise wird das alte Stück dann doch ein heutiges – die eigentliche Klasseleistung an Koerbers Inszenierung.”

