Kritiken
Sauerampfer und Bratkartoffeln oder Die drei Idioten
von Zoltán Egressy | Regie: László Bagossy
Betrug und Verrat verpackt als leichte Komödie
„Ein kurioses Trio, das man da in der neuen Produktion der tri-bühne antrifft. Ein Schiedsrichter, der noch hoch hinaus will, zwei Linienrichter, die es selbst nicht weit gebracht haben. Künstler, wie sie den Schöngeist nennen, wurde verlassen und schreibt rührselige Gedichte. Seife nennen sie den anderen, einen schmierigen Schleimer, der alles daransetzt, dem jungen Schiedsrichter, Pfeife genannt, die Zukunft zu verpatzen. Um Konkurrenz und Missgunst geht es dem ungarischen Autor, aber auch um Betrug und Verrat: Seife greift zu miesen Tricks, um den jungen, ambitionierten Schiedsrichter zu Fall zu bringen. Vorne hui, hinten pfui.
Es geht also böse zu in dieser muffigen Umkleidekabine… Egressy verpackt die Schaukämpfe aus den Untiefen der Fußballwelt als leichte Komödie - und setzt vor allem auf den Running Gag, das ständig einer zum Klo muss. Der Regisseur László Bagossy hat sich lustvoll diesen Nebensächlichkeiten gewidmet, dabei aber die oberflächlich angelegten Figuren scharf konturiert. Mit Marcus Michalski, Folkert Milster und Cornelius Nieden hat er drei gute Schauspieler im Team.”
Frontalangriff
„Einst als schönste Nebensache der Welt gepriesen, ist das Rennen von 22 Spielern nach einem Ball längst ein Ringen um Geld und Macht. Undurchsichtige Strippenzieher bestimmen das Geschehen auf dem Markt Fußball, wo Spieler als Ware Mensch zu schwindelerregenden Millionenbeiträgen den Besitzer wechseln. Das Treiben um das Phänomen Fußball nutzt der ungarische Autor Zoltán Egressy in seiner Komödie ‚Sauerampfer und Bratkartoffeln oder Die drei Idioten’ für einen Frontalangriff auf eine Gesellschaft, die sich mit dem Verfall ihrer moralischen Werte arrangiert hat.”
Einfach lustig und mit Tiefgang
„Die Zuscher erleben verhohlene Wut, Neid, Falschheit und Niedertracht, nicht auf der hohen Ebene der großen Dramen, sondern fein säuberlich in die kahle Kabine der Unparteiischen sehr geerdet, direkt neben dem Rasen angelegt.
Das macht die Inhalte glaubwürdiger, zumal Marcus Michalski (Pfeife), Folkert Milster (Seife) und der wieder einmal herrliche Cornelius Nieden im Gegensatz zu ihren Figuren ein gut harmonisierendes Trio bilden. Nur so werden in dem volkstheaterhaften Stück zuverlässig Plattheiten vermieden und László Bagossy findet genau den schmalen Grat zwischen eben der einfach lustigen Seite und den dann doch sehr typischen Figuren, deren Tiefgang dem Stück sehr gut tut.”
