Kritiken

Spiel im Schloss
von Franz Molnár | Regie: Edith Koerber

Feuerwerk

„Herausgekommen ist beinahe eine Boulevardkomödie. Aber eben nur beinahe. Neben boulevardeskem Witz bringt der kräftig gekürzte Molnár hübsche Tiefgründelei und einen avantgardistischen Hauch mit - Pirandello, Tom Stoppard oder Christopher Durang lassen grüßen…

Wie die Schauspieler in Stephen Cranes faschistoider Schlossarchitektur dieses famose Katastrophenvernichtungstheater auf dem Theater anzetteln, ist eine Freude: Cornelius Nieden fasziniert als abgeklärter und trotzdem verschmitzter Strippenzieher Turai, Bernhard Linke überzeugt als desillusionierter Bedenkenträger und Marcus Michalski ist eine rührend bis lächerlich naive Künstlernatur, während Julianna Herzberg und Folkert Milster zwei überzeugend exaltierte und dümmlich-berechnende Possenreißer geben…

Der Text bietet ein Feuerwerk von Running Gags und Aphorismen - und die Regie noch eine Inszenierungsidee, die Molnár in die Nähe von George Orwell rückt. Ob er da hingehört oder nicht - der Witz, mit dem Molnár hier auf sein Image als hochproduktiver Boulevardtheaterschreiber antwortet, ist grandios: Man kann aus vermeintlicher Routine und scheinbarer Einfallslosigkeit Komödien gebären - wenn man sie mit ein bisschen Spucke versetzt vom Leben abschreibt.”

Fast visionärer Gesellschaftspiegel

„Auf den zweiten und dritten Blick ist dieses ‚Spiel im Schloss’ weit mehr als nur eine Boulevardkomödie. Das beweisen am Theater tri-bühne der Literaturwissenschaftler Volker Klotz, der das Stück ausgegraben hat, und die Regie führende Intendantin Edith Koerber. Es ist - gehörig gestrafft - ein leichtfüßiges und trotzdem tiefgründiges Stück Theater im Theater, die brillante Selbstrechtfertigung eines zeitweise als ‚Bühnenroutinier’ verschrienen Dramatikers, bei der man einem gewitzten Zinker auf die Finger schauen darf. Und es ist ein zuweilen fast visionärer Gesellschaftsspiegel mit Tendenz zur avantgardistischen Verzerrung…

Wie das Ensemble Molnárs Hochgeschwindigkeits-Worttischtennis spielt, mit Aphorismen und deren Verballhornungen um sich wirft à la ‚Man darf nicht das Beste wollen, das Gute reicht auch’, ist großartig. Genauso wie die Spielfreude, mit der Running Gags gepflanzt werden…

Hier regiert die Doppelbödigkeit, das wird perfekt illustriert…”

Brillant

„‚Spiel im Schloss’ heißt das Stück des ungarischen Dramatikers Franz Molnár. Volker Klotz, emeritierter Literaturprofessor der Universität Stuttgart mit dem Riecher für vergessene Komödienjuwele, empfahl der tri-bühne den brillanten Schwank über die Wechselwirkung von Theater und Leben… Molnárs Wortwitz funkelt, weil bei diesem Theater im Theater das Timing zwischen Atemholen und komischem Ausbruch stimmt.”

Mit Stereotypen gebrochen

„Theater im Theater, ein ebenso beliebtes wie fallenreiches Sujet. Molnár hat in dieser 1926 in New York uraufgeführten Komödie mit Stereotypen gebrochen… Molnár hat meisterhaft nicht nur Elemente des avantgardistischen Theaters von Pirandello übernommen, sondern auch das Spiel mit dem Spiel auf die Spitze getrieben… So komplex sich das anhört, das Spiel, von Edith Koerber unaufgeregt inszeniert, wirkt locker und animiert zum lachen – wie es einer Komödie ja auch frommt.”