Kritiken

Die Zuckerfrau
von Liz Kuti | Regie: Edith Koerber

Packendes Psychogramm

„In ihrem zur Eröffnung des achten Stuttgarter Europa-Theater-Treffens 2006 als deutschsprachige Erstaufführung gezeigten Stück ‚Die Zuckerfrau’ nutzt die englische Dramatikerin Liz Kuti das Dublin des Jahres 1850 als Folie für eine ebenso kluge wie dialogstarke Bühnenreflexion über das Rädchen Mensch im Getriebe der Globalisierung. Für die Koproduktion zwischen der tri-bühne und dem Teatro Avenida aus Maputo verdichtete Edith Koerber mit ihrem präzise agierenden Darstellerquintett die über zwanzig Szenen zum packenden Psychogramm der Diskrepanz zwischen missionarischem Eifer, das Gute in der Welt zu verbreiten, und dem Drang, egoistische Bedürfnisse zu befriedigen.”

Die Unentwirrbarkeit von Politik und Privatem

„Lucrécia Paco vom Teatro Avenida (Maputo) spielt Sarah Worth und bringt in diese Rolle auch ihre Identität und Sprache mit ein… Paco verleiht ihrer Vortragsreisenden Sarah das Format einer wortgewaltigen Rednerin, die in charismatischen Kanzelpredigten von todbringenden Kolonisatoren und von bestechlichen Häuptlingen erzählt.

Doch der Plot hat noch eine andere Dimension: Regisseurin Edith Koerber erzählt Liz Kutis Geschichte auch als psychologisches Kammerspiel… So entfaltet Koerbers Regie bis in feinste Verästelungen hinein die Unentwirrbarkeit von Politik und Privatem – ohne besserwisserischen Tonfall.”