Kritiken
Der einsame Westen
von Martin McDonagh | Regie: Edith Koerber
Konsequent portraitiert
„Jetzt feierte die so psychologisch scharfsinnige wie sprachlich derbe Tragikomödie des 34-jährigen Londoner Dramatikers irischer Abstammung in der Inszenierung von Edith Koerber an der Tribühne Premiere. Gerade erst ist der durch einen sich versehentlich gelösten Schuss zu Tode gekommene Vater beerdigt, da haben sich die Brüder Coleman und Valene bereits wieder in der Wolle. Mal ist Geld der Zankapfel, mal sind es Chips oder der reichlich fließende schwarzgebrannte Whisky-ein Grund zum Streiten findet sich für das ungleiche Gespann immer… McDonagh erzählt die Geschichte der sich abgrundtief hassenden Brüder in bodenständig bis vulgären Dialogen, durchsetzt von versteckten religiösen und literarischen Zitaten. Nonchalant eingeflochtene absurde Momente bilden dabei ein wohltuend humoristisches Gegengewicht zur geradezu diabolischen Grausamkeit der Gebrüder Connor…
Die zu Ende des Stücks in einem religiös anmutenden Spiel des ‚Bereuens und Verzeihens’ vorgebrachten Geständnisse vermag jedoch auch galliger Humor nur noch sehr dürftig zu kaschieren: In Valene und Coleman schlummern Monster. Edith Koerber porträtiert die ins Mark gehende Grausamkeit konsequent mit der nötigen Härte… Brennender Hass und rohe Gewalt schwappen ein ums andere Mal über die Bühne und begraben unter sich die raren menschlichen Akzente, die Pater Welshs vage Versöhnungshoffnungen und die frische Natürlichkeit des Schulmädchens Girleen Kellehrer setzen. Es ist das Verdienst der Stuttgarter Inszenierung, diese zarte Hoffnung gegen die Übermacht des Grauens zu behaupten.”
